|
Ort der Handlung: Spanien im 16. Jahrhundert
Der bucklige, eigensinnige, phantasiebegabte Infant Karlos, von
seinem Vater König Felipe zum Herrn der Welt bestellt, wendet sich immer mehr gegen
seinen Vater, verschwört sich gegen ihn mit Juan d'Austria, dem schönen Kriegshelden,
mit dem demokratischen Egmont und anderen. Es sind dies aber nur Doubles der wirklichen
Personen, sie werden auf Betreiben des Großinquisitors zu Karlos geschickt, um ihn des
Verrats zu überführen. So lebt Karlos mehr und mehr in einer unwirklichen Welt. Was ist
echt, was ist simuliert? Der Vater sperrt ihn in seinem Zimmer ein, lässt Türen und
Fenster zumauern. Hier haust Karlos einsam und frisst sich an einer Wildpastete tot.
Tankret Dorst
|
|
Ein Stück über Macht, Vaterkonflikte, Phantasie und Realitätsverlust
„Ich habe zu Schiller ohnehin seit der Spätpubertät ein gespaltenes Verhältnis.
Das sind ja auch zumeist Jugendstücke. Darin - und in ihrem rhetorischen Idealismus-
liegt allerdings auch ihre Kraft, ihre Verführungskraft. Ich habe eine große Abneigung
dagegen.
Vielleicht war das wirklich ein zusätzliches Motiv, meinen anderen
„Karlos“ zu schreiben, in dem der Prinz eben kein edler Jüngling ist, sondern eine
Explosion in Philipps erstarrter Welt, in diesem Gottesstaat ohne Gott, wodurch
allerdings Karlos keineswegs eine Identifikationsfigur für die Zuschauer wird. Das würde
mich nicht itnteressieren.“
(T. Dorst)
|